Drogenprozess: Junger Mann muss nicht in den Knast

20.09.2016 18:08

Das Schöffengericht in Bayreuth hat einem jungen Angeklagten nach der am heutigen Tage durchgeführten Hauptverhandlung den Gang ins Gefängnis erspart. Zumindest vorerst, denn die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 9 Monaten wurde zur Bewährung ausgesetzt. Damit ist das Gericht der Argumentation und dem Antrag von Rechtsanwalt Sturm gefolgt, der in Bezug auf den angeklagten Ersttäter vor allem betont hatte, dass der geständige Mandant sich von der Szene und den alten "Freunden" endgültig gelöst hatte und das der in der Anklage genannte Wirkstoffgehalt von 12 % eine reine Vermutung sei, da keine Asservate bzw. Beweismittel vorlagen. Die Anklage beruhte allein auf Zeugenaussagen. Die Verurteilung erfolgte für das 4-fache Handeltreiben mit je 200 Gramm Marihuana und weiteren Handel mit Mengen zwischen 20 und 100 Gramm. Da letztlich der Auffassung der Verteidigung gefolgt wurde und eine Wirkstoffmenge von lediglich 5 % bei dem Gras zugrundegelegt wurde, war es am Ende "nur" ein vierfacher Handel mit einer sog. nicht geringen Menge (nach Anklage wären es bei 12 % 5 mal nicht geringe Menge gewesen). Da jede einzelne Tat eines Handels mit einer nicht geringen Menge an Drogen im Mindestmass bereits mit 1 Jahr Freiheitsstrafe bedroht und somit als Verbrechen klassifiziert ist, ist die Gesamtfreiheitsstrafe von 1 Jahr und 9 Monaten auf Bewährung kein Selbstläufer. Die nicht geringe Menge ist bei den Cannabinoiden (also Haschisch und Marihuana) bei 7,5 gr THC (Tetrahydrochlorcannabinol) höchstrichterlich vom BGH festgesetzt worden. Bei einer Menge von 100 gr Gras/Mariuhuana und einem Wirkstoffgehalt von 5 % sind das also 5 gr. reines THC und damit unter dieser strafrechtlich sehr bedeutenden Grenze. Mit 5 Taten im nichtgeringen Bereich hätte es wohl keine Bewährungsstrafe mehr gegeben.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren und drei Monaten gefordert. Diese Strafe hätte nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden können. Auf Rat von Rechtsanwalt Sturm nahm der Angeklagte sein Urteil noch im Gerichtssaal an und verzichtete auf seinerseits Rechtsmittel. Die Staatsanwaltschaft will noch Bendenkzeit, ob sie eventuell in Berufung oder Revision geht. 

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